Ergänzungen in der erweiterten dritten Ausgabe (Sept. 2004) von "Geist der Bäume" (Fred Hageneder):
Erweitertes Kapitel "Der Baum in Indien"
Neues Kapitel "Arabien und der Islam"
(Außerdem enthält die dritte Auflage zusätzliche Abbildungen heiliger Bäume in Indien, dem alten Griechenland, und dem nordischen Kulturkreis. Der Index wurde wesentlich erweitert.)
Stammestraditionen und Volksbräuche
Auch heute noch haben viele Dörfer Indiens einen heiligen Baum oder Hain. Die althergebrachte Art, sie zu würdigen, ist, ihnen jeden Morgen Milch, Lebensmittel, Blumen oder eine Räucherung darzubringen. Der indische Ethnologe Trilochan Pande nennt mehr als dreißig Bäume und Pflanzenarten, die in Indien verehrt werden. Diejenigen mit der ältesten Geschichte sind der Pipal- oder Pippala-Baum (Ficus religiosa), der Banyan (Ficus bengalensis) und der Bel oder Waldapfelbaum (Aegle marmelos). Die dreigliedrigen Blätter des letzteren wurden auch für Orakel benutzt. Seit undenklichen Zeiten werden Bäume als die Urahnen der Menschheit betrachtet. Die Brahma-Purana erzählt, wie während des Schöpfungsaktes die Bäume so dominant wurden, daß die Erschaffung anderer Arten fast zu einem vorzeitigen Ende kam:
»Der Herr Pracheta wurde zornig bei diesem Anblick und gebot Feuer und Wind zu ihrer Zerstörung. Als all die Bäume schnell zu verschwinden begannen, wandte sich der Gott Soma an den Herrn und ersuchte ihn, sich zu beruhigen. Er bot ihm Marischa, die Tochter der Bäume, zur Heirat an, so daß die Welt gedeihen möge. Marischa gebar daraufhin Daksha Prajapati, den wohlbekannten Urvater der Menschheit.«75
Unter den indigenen Stammesgruppen Indiens lassen sich noch viele uralte Traditionen finden, darunter auch heilige Haine und Bäume. Bei den Stämmen Bihars etwa ist der Sâl-Baum (Shorea robusta) die Art, die am häufigsten als heiliger Baum oder als Sarna, heiliger Hain, zu finden ist. Bei anderen Stämmen finden wir als bedeutsame Bäume den Mahua oder Murun (Bassia latifolia), Mango (Mangifera indica), Tamarind (Tamarindus indica), den Baumwollbaum (Bombax malabaricum) und natürlich den Banyan. Allgemein wird der heilige Baum oder Hain als Sitz entweder eines Baumgeistes, des Dorfgeistes oder des Vegetationsgeistes des ganzen Gebietes angesehen. Auch Clans mit Totembäumen sind bekannt, und einige Clans der Santhal sind nach dem Banyan oder dem Bel benannt. In einigen Gegenden finden sich beliebte Jahresfeste, die mit besonderen Bäumen assoziiert sind, z.B. das Fest des Karam (Nauclea parvifolia) bei den Stämmen Chotanagpurs. Einige Bäume haben eine wichtige medizinische Bedeutung, während andere eine Rolle bei Hochzeiten oder Übergangsritualen spielen.76
Die Begleiter Alexanders des Großen (der im Jahre 326 v.Chr. in Indien einfiel) bemerkten, daß die Inder »alles als Götter ansehen, was sie verehren, insbesondere Bäume, und es bedeutete den Tod, diese zu verletzen«.77
Ein heiliger Banyan-Baum bei Surat galt im 17. Jh. als 3.000 Jahre alt. Niemand wagte es, ihn zu beschneiden oder auch nur mit Stahl zu berühren, aus Ehrfurcht vor der Gottheit darin. Pilgerfahrten wurden zu ihm unternommen und Zeremonien unter ihm abgehalten.78
Hinduismus
Auch nach den ältesten indischen Schriften, den Veden und Upanischaden (etwa 900-500 v.Chr.) bevorzugen die hinduistischen Gottheiten den Aufenthalt an bestimmten Orten: Hainen, Quellen oder Bergen. Im Schöpfungsmythos ist Brahma, welcher einer goldenen Lotosblüte entströmte, die durch den über den ursprünglichen Wassern schwebenden Geist des OM entstand, ein Baum, der alle anderen Gottheiten als seine Zweige trägt.
»Das Universum ist ein Baum, der ewig existiert, seine Wurzeln ragen nach oben, seine Äste abwärts. Die reine Wurzel dieses Baumes ist Brahman, der Unsterbliche, in dem die drei Welten ruhen, den niemand erfassen kann, der das Selbst ist.«
Katha Upanischad, VI, 1
Aufwärts die Wurzel, abwärts die Zweige, sagt man, habe der unvergängliche Asvattha, dessen Blätter die Veden sind: Wer ihn kennt, der ist des Veda [Wissens] kundig
Bhagavadgita XVI, I
Wie in der jüdischen Kabbala wächst der Baum verkehrt herum, mit seinen Wurzeln in den Himmel und mit seiner Krone herab in die Welt. Der asvatha vrksha, der Asvatta-Baum, ist der Lebensbaum. »Leben« ist asvatha, denn es verändert sich ständig. Die Wurzeln des Baumes befinden sich in den höheren Reichen, in der unbegrenzten Wirklichkeit des Geistes, und seine Zweige wachsen in die Welt herab. (Die fernöstlichen Stammbäume der Könige folgen dieser Tradition und verzweigen sich abwärts, mit der Herkunft der Ahnen am oberen Ende.) Baumblätter geben Wasser ab und erzeugen so den osmotischen Druck, der den Saftstrom ermöglicht. Die Blätter des Weltenbaums sind »Wissen«, veda, denn Weisheit und Verstehen ermöglichen geistiges Wachstum.
Die östliche Auffassung, daß die Welt nur Illusion (maya) sei, zeigt sich in der Bhagavadgita, wo Krischna den Weltenbaum als Methaper benutzt und den Rat gibt, ihn mit dem »Beil der Gleichmut« zu fällen. Swami Prabhupada bemerkt dazu:
»Nun haben wir in dieser Welt keine direkte Erfahrung von einem Baum mit seinen Zweigen unten und seinen Wurzeln oben, aber es gibt so etwas. Solch ein Baum kann gefunden werden, wenn wir uns einem Wasserreservoir nähern. Wir können sehen, daß sich die Bäume am Ufer im Wasser spiegeln Zweige unten, Wurzeln oben. Mit anderen Worten, der Baum dieser materiellen Welt ist nur ein Widerschein des wirklichen Baumes. Der wirkliche Baum ist die geistige Welt.# Die Spiegelung des wirklichen Baumes beruht auf Begierde, so wie die Spiegelung des Uferbaumes auf dem Wasser beruht. Wenn man der materiellen Existenz entkommen will, muß man diesen Baum durch und durch kennen, durch analytische Studien. Dann kann man die Beziehung zu ihm abschneiden.«79
Die hinduistische »Dreieinigkeit«, die drei Gottheiten des Schöpfungsvorganges, Brahma, der Schöpfer, Vishnu, der Erhalter, und Schiva, der Zerstörer, werden als die drei Hauptstämme des Weltenbaumes dargestellt (Maitreya-Upanischad).
Die Rig-Veda beschreibt Brahma als den gigantischen Weltenbaum, dessen Zweige die Götter sind. Die Veden erwähnen außerdem Kalpadruma, einen riesenhaften Wolkenbaum, der auf einem hohen Berg stand. Sein Schatten erzeugte Licht und Schatten, bevor Sonne und Mond geschaffen waren.
Der hinduistische Lebensbaum ist auch die Quelle des Soma (persisch Haoma), der heiligen flüssigen Essenz, die Unsterblichkeit schenkt. Die Veden beschreiben das heilige Getränk als »den begeisterten Gedanken hervorbringend«, »Hymnen mit der Kraft eines Dichters erzeugend«, und nennen es »Verleiher des Wohlergehens, Meister von tausend Liedern, Führer der Weisen«. (Vergl. die berauschenden Getränke der Wissens und der Inspiration, die dem heiligen Kessel in germanischer und keltischer Überlieferung entstammen, S. 170, 172 und 187f.)
Die nährende Eigenschaft des Baumes erscheint in einer hinduistischen Paradieslegende. Der »Garten Indras« ist ein Wohnort der Götter auf dem Berg Meru, an der Grenze zu Kaschmir. Er beherbergt fünf wunderbare Bäume, unter denen die Götter das Ambrosia genießen, das von den Bäumen tropft. Die Früchte der Bäume schenken Unsterblichkeit.80
In der Rig-Veda symbolisiert die heilige Frucht die göttliche Weisheit, die Unsterblichkeit schenkt:
»Zwei Vögel, eng verbundene Kameraden, umklammern den gleichen Baum. Der eine von ihnen ißt die süße Beere, der andere schaut ohne zu essen zu. Dort, wo die Vögel nach einem Anteil an der Unsterblichkeit, mit immer offenen Augen nach der Weisheit schreien, da ist der mächtige Hüter der ganzen Welt in mich Toren eingegangen. Wo die süße (Frucht) essenden Vögel nisten und ausbrüten, im Wipfel dieses Baumes ist, wie sie sagen, die süße Beere. Zu der langt nicht hinan, wer nicht den Hüter kennt.«
Rig-Veda, I, 164, 20-2281
In anderen Legenden gebiert der Baum menschliche Wesen. Im ersten Buch des Mahabharata erscheint ein riesiger indischer Feigenbaum, von dessen Zweigen kleine Gläubige hängen.
Die indische Yoga-Tradition sieht als das Zentrum der menschlichen Energiekörper den dreifachen, senkrechten Energiekanal (Ida, Pingala, Suschumna), der parallel zur Wirbelsäule verläuft. Das schlafende Potential des Menschen, die Kundalini-Energie, die zusammengerollt wie eine Schlange an der Wurzel der Wirbelsäule ruht, soll erweckt werden, durch diesen Kanal aufsteigen und sich mit dem Kronen-Chakra, »dem tausendblättrigen Lotos«, vereinigen (siehe auch Abb. 44).
Der überreiche Banyan wurde weitläufig »von Menschen aller Kasten und Schichten verehrt. Er gilt als der Sitz vieler guter Geistwesen, und nach dem Volksglauben manifestiert er Attribute Gottes. Zur Zeit der Sintflut nahm die Ewigliche Macht die Gestalt des Banyans an« (Pande).82
Der Bel wird hauptsächlich mit dem Kult von Shiva und Shakti assoziiert. Seine Blätter und Zweige werden in verschiedenen Zeremonien verwendet, aber das Holz, da es heilig ist, nie als Brennstoff benutzt. Eine Geschichte erzählt, wie ein »Jäger, der eine ganze Nacht lang Belblätter über eine Statue Shivas warf, unter dem Belbaum Moksha, also die Erleuchtung, empfing« (Pande).83
Auch der immergrüne Asoka (Saraca indica) ist Shiva geweiht, da dessen Gefährtin Parvati ihn mit Blüten dieses Baumes geehrt hatte.
Die höchste Essenz von Brahma gilt als in seinen heiligen Baum (Asvatta) herabgestiegen. In alter Zeit erkannte man den Asvatta-Baum im Pipal. In der Atharva-Veda haben die Gottheiten des dritten Himmels ihren Sitz unter ihm, und aus seinem Holz wurden die Somagefäße sowie das Reibholz für das heilige Feuer gearbeitet. Eben diesen Baum wählte auch Prinz Gautama Siddharta für seine Suche nach Erleuchtung.
Buddhismus
Gautama Siddharta (ca. 563-483 v.Chr.), ein Prinz aus einer reichen und mächtigen Familie, entsagte dem weltlichen Leben als auch dem Rad der Wiedergeburten und wählte den Frieden und die vibrierende Gegenwart eines alten, angesehenen Baumes für seine »letzte« Meditation. Er fand, was er suchte, das »vollkommene Verstehen« und die »endgültige und bedingungslose Wahrheit« (Bodhi). Er wurde Buddha, und der Baum wurde der heilige Bo- oder Bodhi-Baum, der Baum der Erleuchtung.
Die letzten inneren Kämpfe des Buddha werden mythologisch dargestellt durch die »Versuchung und Angriffe« des Dämons Kama-Mara. Er erschien als Kama (»Begierde«), dann als Mara (»Tod«), und als Stürme, Wind, Regen, und Vulkanausbrüche mit Lava und kochendem Schlamm, die um den Buddha tosten doch er blieb regungslos. Er war bereits eins geworden mit dem Baum, mit der Achse des Universums. Er hatte sich davon befreit, den Begrenzungen und Bedingungen der Existenz unterworfen zu sein, er war nun eins mit dem Kosmos. Dies ist genau der Grund, warum der frühe Buddhismus den Buddha nicht in seiner menschlichen Gestalt darstellte. Alles was gezeigt wurde, war der Baum, und die Stelle an seinem Fuß, wo man Buddha zu sitzen erwarten würde, ist meist leer. Buddha war eins mit dem Weltall und konnte deshalb am besten durch den Weltenbaum selbst repräsentiert werden.
Des weiteren nennen die frühesten buddhistischen Schriften den Bodhi-Baum und nicht den Buddha den »Großen Erwecker«.
Im Einklang damit werden buddhistische Missionare dargestellt, indem sie einen kleinen Baum tragen: Sie verbreiten den Baum des Buddhismus, damit er auch in anderen Ländern wachsen kann.
Im 7. Jh. besuchte ein chinesischer Reisender das Heiligtum von Buddhas Pipal in Bodh Gaya (Bihar, Indien):
»
da steht ein Pipal, unter dem sich ein &Mac221;diamantener Thron&Mac220; befindet. Alle Buddhas der Vergangenheit, die auf diesem Thron saßen, erlangten wahre Erleuchtung, und so wird es auch denen der Zukunft ergehen. Also bete und begib dich an diesen Ort! Der Bodhi-Baum über dem diamantenen Thron ist identisch mit dem Pipal. Zu Lebzeiten des Buddha war er mehrere Hundert Fuß hoch. Trotz vieler Verletzungen reicht er immer noch 40 oder 50 Fuß in die Höhe
Die Rinde ist von gelblich-weißer Tönung und die Blätter und Zweige sind dunkelgrün
Jedesmal zum Nirwana-Tag versammeln sich Tausende und Abertausende Gläubige aus allen Himmelsrichtungen und begießen die Wurzeln mit geweihtem Wasser und parfümierter Milch, lassen Musik erklingen und streuen Blumen und Weihrauch. Und während das Licht des Tages durch brennende Fackeln verlängert wird, fahren sie fort, ihre religiösen Gaben darzubringen.«84
Derselbe Zeitzeuge berichtet außerdem eine Geschichte, derzufolge König Asoka (273-326 v.Chr.), ein Ungläubiger, versuchte, alle Spuren Buddhas zu tilgen und somit auch den Bodhi-Baum. Aber auf wundersame Weise erholte sich der Baum von jedem Übergriff. Asoka fand sich schließlich zutiefst berührt und bekehrte sich zum Buddhismus, schwor der Gewalt ab und unterstützte die Pflanzung unzähliger Bäume während seiner Regentschaft.
Eine Legende, daß Gautama selbst in dreiundvierzig vorangegangenen Inkarnationen ein Baumgeist gewesen war, enthüllt den starken Einfluß einer alten Waldland-Zivilisation. Sie ist jedoch nicht ganz im Einklang mit dem reinen Buddhismus, der Pflanzen keine Seele zuspricht. Nur Menschen, Götter, Geister, Tiere und Höllenkreaturen haben eine Seele, nur sie sind durch Begierde im Rad der Wiedergeburten gefangen, und nur sie benötigen Erlösung. (Dies widerspricht allerdings keiner Tradition, die über Baumdryaden spricht, niemand hat je behauptet, daß Bäume ein Ego haben, das der Erlösung bedürfe.)
Verschiedene Legenden berichten von den Umständen von Siddhartas Geburt. Es wird erzählt, daß seine Mutter, Königin Maya, auf einer Reise während ihrer Schwangerschaft an einem wunderschönen Hain gelangte. Mit einigen Frauen ihres Gefolges betrat sie ihn für einen Spaziergang. Als sie einen prächtigen Sâl-Baum entdeckte (in einigen Versionen dieser Legende ist es ein Plaksha, Butea monosperma Lam.), wünschte sie, einen seiner Zweige zu pflücken. Da beugte sich der Ast ganz von allein zu ihr hinab, und in dem Moment, da sie ihn berührte, begannen ihre Wehen. Während sie die Zweige hielt und noch im Stehen gebar sie Siddharta.85
Auch die Legende von Buddhas Tod illustriert seine große Nähe zu Bäumen. Als er seinen Tod nahen fühlte, zog er sich in einen Hain von Sâl-Bäumen zurückzog. In der frühen Morgendämmerung des folgenden Tages neigten sich die Bäume nieder, um einen Baldachin über ihm zu formen, und er hörte zu atmen auf.86
Die Verehrung des Bodhi-Baumes wurde von Siddharta selbst ermutigt. Er bat Ananda, einen Ableger des Pipal, unter dem er Erleuchtung gefunden hatte, in Viharas Hof zu Sravasti zu pflanzen. Er sagte dazu: »Jeder, der ihn verehren wird, wird dieselbe Belohnung empfangen, als wenn er mich verehrt«.87
Ein weiterer von Buddha gepflanzter Baum war ein Mango. Auch wenn er kein Bodhi-Baum ist, so erscheint er doch häufig in den Motiven von Barhut. Eines der Reliefs zeigt den heiligen Mango-Baum des Jetanava-Klosters. Einer burmesischen Abhandlung zufolge hatte ein Gärtner Buddha eine Mangofrucht geschenkt, welche dieser verzehrte und hernach den Samen Ananda mit den Worten »Pflanze ihn an einem Ort, der ihn zu empfangen vorbereitet ist« übergab.88 Auf königlichen Befehl wurde eine Wache beauftragt, den jungen Baum zu schützen.
Sieben verschiedene Bodhi-Bäume lassen sich in den Steinmetzarbeiten der Stupa von Barhut, einem der ältesten und wichtigsten Denkmäler buddhistischer Architektur, botanisch identifizieren. Diese Stupa steht im Distrikt Madhya Pradesh und entstand 184-72 v.Chr. Ihre Entdeckung wurde »ein Meilenstein in der Geschichte Indiens« genannt.89 Die Überreste befinden sich in den Museen von Kalkutta und Allahabad, aber usprünglich war es ein halbkreisförmiger Schrein aus Ziegelsteinen, umgeben von Geländern und Durchgängen, in die die Reliefs gemeißelt waren. Um die Pilger in ihrer Kontemplation zu unterstützen, zeigen sie Hauptereignisse aus den Leben der Buddhas. Unter den vielenBäumen, die sich in diesen Motiven befinden, finden sich sieben Arten, die der Erleuchtung verschiedener Buddhas beistanden:
hist. Buddha Baumart
Sakya Muni Pipal
Kasyapa Banyan
Kanaka Muni Gular o. Udumbara
(Ficus glomerata)
Krakuchhanda Sirisa (Albizzia lebbek)
Viswabahu Sâl
Vipaswi Asoka
Neben diesen sechs schattenspendenden Bäumen ist der siebente jedoch gar kein Baum: Der Weiße Lotos ist das Symbol von Sikki.
Und wiederum finden wir keine Darstellungen der Buddhas selbst: Sämtliche Plätze unter den Bodhis sind leer.
Moderner Buddhismus
Der Buddhismus hat immer Mitgefühl mit allen Lebewesen gelehrt, da er die Verbundenheit allen Lebens anerkennt. Thich Nhât Hanh, ein zeitgenössischer Mönch, spricht über die Verschmutzung der Umwelt, des »größeren Selbst«, und die Verschmutzung des Geistes, des »kleineren Selbst«. In seinem Verständnis fordert der Buddhismus den Schutz des »Ökosystems der Erde und des Ökosystems des Geistes«.
»Wir sind gefangen von jenem Denken, das nur annehmbare Bedingungen für unser kleines Selbst sucht, während wir gleichzeitig unser großes Selbst zerstören. Wenn wir diese Situation verändern wollen, dann müssen wir damit beginnen, unser wahres Selbst zu leben. Das bedeutet, wir müssen der Wald &Mac221;sein&Mac220;, der Fluß und die Ozonschicht. Wenn wir uns als den Wald sehen, dann werden wir die Hoffnungen und Ängste der Bäume erfahren. Wenn wir dies aber nicht tun, dann werden die Wälder sterben und wir werden unsere Gelegenheit zum Frieden verpassen. [
] Da wir mit den Bäumen &Mac221;inter-agieren&Mac220;, können wir wissen, daß mit ihrem Ableben auch wir selbst bald nicht mehr da sein werden. Eine Eiche ist eine Eiche. Das ist alles, was eine Eiche tun muß. Wenn eine Eiche weniger als eine Eiche wäre, würden wir alle in Schwierigkeiten geraten. Deshalb können wir sagen, daß die Eichen das Dharma die Wahrheit und Wirklichkeit lehren. [
] Wir können das Dharma von einer Eiche erlernen.«90
Arabien (arab. Jazirat Al-Arab, »Insel der Araber«) ist die Halbinsel zwischen dem Roten Meer, dem Arabischen Meer und dem Golf von Oman. Sie umfaßt die heutigen Staaten Saudi Arabien, Jemen, Oman, Vereinigte Arab. Emirate, Qatar, Bahrain and Kuwait. In den Oasen entlang der Wüstenränder entwickelten sich schon früh verschiedene Agrarkulturen. Komplexe Bewässerungssysteme ermöglichten eine begrenzte Ausdehnung ins Landesinnere. In scharfem Kontrast mit den seßhaften Händlern und Bauern, deren Städte soziale und religiöse Zentren waren, lebten umherziehende Ziegen- und Schafhirten in der Nähe der Ortschaften sowie wahre Nomaden, die Kamele züchteten und fähig waren, die Wüste zu durchqueren.
In Süd-Arabien existierten verschiedene Königreiche, insbesondere das von Saba, welches durch den einträglichen Handel mit Weihrauch und Gewürzen gedieh. Saba kontrollierte den südlichen Küstenstreifen, das einzige Gebiet auf der Welt, in dem der Myrrhenbaum wächst. Sein aromatisches Harz diente in der gesamten Alten Welt als Räucheropfergabe für die Götter und Ahnen, auch in keltischen Gräbern wurde es gefunden.
In den polytheistischen Religionen Arabiens wurde die Mehrzahl der Gottheiten ursprünglich mit den Himmelskörpern assoziiert. Doch auch die Erde war mit Geist erfüllt: Das Konzept von Baals Land (siehe S. 104) dem Land des Herrn oder der Herrin war den frühen Arabern genauso wichtig wie den weiter nördlich lebenden semitischen Völkern. Im Arabischen bekam das Wort baal jedoch einen zweiten Sinn: Ehemann. Abgesehen davon war (und ist?) die Natur in Arabien dicht bevölkert von einer Vielzahl von Naturgeistern, den Jinni.
Der Prophet Mohammed wurde um 570 in Mekka geboren und empfing seine religiöse Berufung im Jahre 610. In ihrem Verlauf initiierte er religiöse, soziale und kulturelle Entwicklungen von gigantischem historischen Ausmaß. Da er zu einer Bedrohung für das religiöse Establishment seiner Zeit wurde, mußte er 622 nach Medina fliehen. Dieses Jahr seiner Flucht wertet man als den Beginn der islamischen Epoche, da sich innerhalb einer Generation ganz Arabien zum Islam bekehrte. Mohammeds göttliche Offenbarungen wurden nach seinem Tod im Koran (Quran) aufgezeichnet.
Der monotheistische Islam sieht die polytheistische Vergangenheit als ein »Zeitalter der Ignoranz«, hat aber nichtsdestoweniger einige ihrer Bräuche übernommen.
Das vor-islamische Arabien
Anders als die Götter, haben die arabischen Jinni keine ausgeprägte Persönlichkeit, sie sind Teil eines Gruppengeistes, der gutmütig oder schädlich sein kann. Sie leben in Felsen, Höhlen, Bäumen, Dickichten und anderen ungezähmten Orten. Die Menschen trachteten danach, sie nicht zu beleidigen, denn ihr Zorn konnte sehr schädlich oder gar tödlich sein. Das wird deutlich in der Geschichte von Harb ben Omayya and Mirdas ben Abi Amir, zwei historischen Personen, die eine Generation vor Mohammed lebten. Als diese zwei Männer ein niemals zuvor betretenes Dickicht anzündeten, um das Land urbar zu machen, flüchteten die Jinni des Ortes in der Gestalt weißer Schlangen. Beide Männer starben bald darauf. Und noch im 19. Jh. konnte der englische Reisende Theodore Bent die Beduinen bei Dhofar nicht dazu überreden, ihm eine bestimmte Wasserpflanze zu pflücken, da man den Jinn des Sees keinesfalls erzürnen wollte.91 Neben anderen magischen Mitteln halfen auch Bäume, sich gegen schädliche Einflüsse der Jinni zu schützen. Das Gummi der Akazie z.B. wurde als Talisman getragen, aber auch dazu benützt, die Köpfe von Neugeborenen zu deren Schutz einzureiben.
Das alte Arabien kannte auch Totembäume, und es galt als selbstverständlich, daß das »übersinnliche Leben und seine Urkraft in den Bäumen selbst wohnte, die beseelt sind und sogar vernunftbegabt. So hörte Muslim ben Ocba im Traum die Stimme des Gharkad-Baumes, die ihm auftrug, die Armee von Yazid gegen Medina zu führen.« (Smith)92
Ein Beispiel für ein uraltes und gut etabliertes Baumorakel ist die heilige Dattelpalme zu Nejran im Jemen. Jedes Jahr gab es ein Fest, zu dem sie mit feinen Tüchern und Juwelen geschmückt wurde.93 Ähnlich die heilige Akazie zu Nakhla, welche der Sitz der Göttin Al-Ozza war: Das Volk von Mekka feierte sie jährlich und brachte ihr Waffen, Tücher, Straußeneier und andere Gaben dar.94
Bäume waren gleichermaßen der (zeitweilige) Wohnsitz wohlmeinender Ahnengeister, die die Erde besuchten, sowie von Heiligen oder Göttern, deren Gegenwart den Baum zu einem Heiligtum erhob. Und mitunter brauchten solche Orte gar keinen übernatürlichen Mentor und wurden einfach für das geehrt, was sie waren: Dann tauchen »Schutzheilige« auf wie Mutter Olivenbaum oder Mutter Lorbeerbaum, und zwar noch im 20. Jahrhundert.95
Die Lebensbedingungen in der arabischen Wüste sind viel härter als in Palästina oder Ägypten, und der Anblick eines großen Baumes inmitten größter Trockenheit kommt einem Wunder gleich. Selbstgesäte Bäume können dort nur über unterirdischen Wasseradern überleben, solchen, die oft auch Oasen speisen. Dies ist »von Bal bewässertes Land« und die Bäume, die durch die lebensspendende Gegenwart des Bal genährt werden, sind Bal Bäume.
Wenn mehrere von ihnen um eine Quelle beisammenstehen, wurden solch ein Ort als ein natürliches Heiligtum behandelt. Dann ist es untersagt, auch nur einen Zweig zu pflücken, und der Kranke, der unter den Bäumen schläft, mag im Traum einen Rat hinsichtlich seiner Genesung empfangen.96
Der Baum im Islam
In der Tradition des Propheten heißt ein heiliger Baum dhat anwat, »Baum, an den man Dinge hängt«. Im modernen Arabisch heißen heilige Bäume manahil, »Orte, an die die Engel herabsteigen, um zu tanzen und zu singen«.
Von einem Baum bei Al Hodeibiya nahe Mekka wurde gesagt, daß jeder einen Segen empfing, der sich unter ihn begab. Genau hier hatten die Gefolgsleute des Propheten ihm Treue bis zum Tod geschworen. »Allah war sehr zufrieden mit den Gläubigen, als sie dir unter dem Baum Treue gelobten.« (Koran 48:18) Später jedoch ließ Kalif Omar diesen Baum fällen.
Das Grab des Heiligen Abu Abdallah zu Bostam wurde von einem Baum beschattet, welcher aus dem Stab des Propheten gewachsen sein soll (vergl. Moses Stab, S. 108).
Des biblischen Propheten Sacharjas Vision eines übersinnlichen Olivenbaumes (Sach. 4.14, siehe S. 115) hat eine Parallele in Kap. 24 des Koran:
»Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht mag verglichen werden mit dem Schrein einer Leuchte, die sich in einem Kristall sternenhafter Leuchtkraft befindet. Sie wird gespeist von einem gesegneten Olivenbaum, der weder im Osten noch im Westen steht. Sein Öl leuchtet fast von selbst, ohne daß Feuer es berührt hätte. Licht über Licht; Allah führt diejenigen zu seinem Licht, die er erwählt.« (24:35)
Wie auch im Christentum ist das islamische Paradies ein Garten Eden, befindlich im siebten Himmel. In seinem Zentrum steht ein wunderbarer und riesiger Baum, der Tooba. Er spendet erfrischenden Schatten und ist beladen mit den köstlichsten Früchten, deren Geschmack kein Sterblicher kennt. Die Paradiesflüsse entspringen an diesem Baum, manche bergen Wasser, manche Milch, manche Honig und manche Wein.97
Pilgertraditionen
Viele Grabstätten und Schreine entlang der islamischen Pilgerstrecken weisen heilige Bäume und heilige Quellen auf. Die häufigsten Baumarten unter ihnen sind Sindiyana (eine Eichenart), Feige, Carob, Olive, Maulbeere und Terebinthe. Weniger häufig sind Pinie, Zypresse, Palme, Wein, Granatapfel, Sykomore, Lorbeer und Mes (Celtis australis).
Ist der heilige Baum ein Fruchtbaum, so darf jeder Pilger von seinen Früchten essen, nachdem er die Fatiha (1. Kap. des Koran) gebetet hat. Aber niemandem ist es erlaubt, etwas anderes vom Baum zu nehmen. Und da ein Heiligtum immer von einem mächtigen Geistwesen behütet wird, bewahren Bauern oft ihr Getreide oder ihre Werkzeuge in seiner unmittelbaren Nähe auf.98
Im Jahre 1957 bereisten die Religionsforscher R. Kriss und H. Kriss-Heinrich verschiedene Pilgerwege des Nahen Ostens. Für ihre Studie islamischer Volksbräuche suchten sie zahllose Heiligtümer auf, und die meisten bestanden aus einem heiligen Baum oder Hain, einer Quelle oder einem Brunnen sowie einem Schrein (qubba). Der althergebrachten Tradition der dhat anwat zufolge, fanden sie die Bäume mit Tüchern oder Stoffstreifen behangen. Sie beschreiben u.a. folgende Stätten:
den Madura-Baum an der Südspitze der Nilinsel Roda. Es ist ein riesiger Lotosbaum, der einst der Wohnort der heiligen Madura war. Kranke Gläubige kommen hierher, um ihre Bandagen gegen frische Blätter zu tauschen, während sie die Fatiha beten.
zwei heilige Bäume in Matariya, dem Nordostviertel Kairos. Einer von ihnen gehört zu einer kleinen Moschee, die den Sarg Ibrahims enthält. Der andere Baum ist eine alte, eher schwache Sykomore, von der man sagt, sie sei die Nachfolfgerin eines Baumes, unter dem Josef, Maria und das Jesuskind auf ihrer Flucht gerastet hätten.
die Kirche Barsum al-Iryans, eines koptischen Heiligen. Er soll 25 Jahre lang in einem Palmenhain gelebt haben in Gesellschaft einer Schlange! Das magische Tier lehrte ihn die Beherrschung aller Schlangenarten, eben deshalb ist er so begehrt als Schutzpatron. Sowohl Moslems als auch Anhänger verschiedener christlicher Sekten verehren ihn.
der heilige Hain von Abu-Lemun, Israel. Sechs mächtige Eichen und eine Terebinthe stellen einen eindrucksvollen Hain inmitten einer kargen Felslandschaft dar. Bei Dürren war es Brauch, daß sich die Frauen dorthinbegaben, um in einer Prozession um Regen zu beten. Als die Stätte 1956 von der Jerusalemer Bezirksbehörde verkauft wurde, leisteten die örtlichen Bauern den Holzfällern Widerstand und sammelten schließlich Gelder, um den Hain zurückzukaufen.
den »Flaggenbaum«, eine Olive, an die die Pilger am letzten Tag des Nabi Musa-Festes ihre Flaggen lehnen. Sie hat diese Aufgabe von einer Dattelpalme übernommen, unter der Mohammed selbst einst gebetet haben soll. Nach dem Volksglauben ist der Geist des Propheten an diesem Tag im Flaggenbaum anwesend. Das Wasser vom al-Kas-Brunnen davor gilt als heilkräftig.
die Allee von Mes-Bäumen, die sich ebenfalls auf dem Haramplatz in Jerusalem befindet, nahe der Umar Moschee. Die Gläubigen nennen diese Bäume sagarat muqaddasa, »heilige Bäume«. Traditionell pflückte man kleine Zweige von ihnen, besonders gabelförmige. Eine örtliche Legende berichtet von ihrem Ursprung: Als der große (jüdische) Tempel errichtet worden war, brachten Könige, Engel und sogar Tiere Gaben dar. Als der König die Jinni fragte, ob sie auch etwas geben wollten, sagten sie, sie würden gern einen Schutzzauber spenden. Sie schlugen vor, zwei Reihen Mes-Bäume pflanzen zu lassen, so daß jeder, der eines ihrer Zweiglein trug, vor dem Bösen Blick geschützt sei.